Die Energiewende daheim – zwei Erfahrungsberichte

In Karlsruhe verwandeln seit diesem Sommer 22 kleine Solarpanele des Projekts Dein BalkonNetz Sonnenenergie in elektrischen Strom. Zwei Projektbeteiligte berichten, wie ihre kleine Energiewende zuhause vorankommt und wo es hakt.

Seit Juli steht bei Familie Hauth ein Solarmodul im Garten und liefert Strom. „Ich bin positiv überrascht, dass das technisch so gut funktioniert,“ so Thomas Hauth, der sich als Elektrotechniker schon mit Photovoltaik (PV) beschäftigte, als die Technik noch in den Kinderschuhen steckte. Anfangs sei es gar nicht möglich gewesen 24V Gleichstrom aus PV-Anlagen ins allgemeine Stromnetz einzuspeisen, weil die Synchronisation mit den 230V und 50 Hertz Wechselstrom nicht gelang. Inzwischen lösen Wechselrichter das technische Problem. Also begann Herr Hauth, sich nach einer geeigneten PV-Anlage für den Privatgebrauch umzuschauen. Das Projekt Dein BalkonNetz kam da gerade recht. Als er in den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) von dem sozialökologischen Experiment las, mussten seine Frau und er nicht lange nachdenken und meldeten sich bei den Organisator:innen am ITAS-KIT. Sie hatten Glück. Das Forschungsteam nahm das Ehepaar in den Kreis derer auf, die für ein Jahr ein aus Projektmitteln gesponsortes PV-Modul ausprobieren dürfen.

Das Solarmodul der Familie Gschwend mit Befestigung am Balkon

Auch bei Familie Gschwend ist eine kleine Photovoltaikanlage eingezogen und prangt nun am Balkon. Frau Gschwend ist sehr angetan von dieser „modularenEnergiewende in ihrem Eigenheim. Als sie vor vielen Jahren in ihr Haus einzogen schien eine nachhaltigere Energieversorgung für ihr Haus nämlich schlichtweg nicht praktikabel. Mit einem Energieberater spielten die Gschwends verschiedene Möglichkeiten durch und scheiterten an den Kosten. Ihr Haus auf Fernwärme, Blockkraftheizwerk oder Solar umzurüsten, hätten aufwändiger Umbauten bedurft, etwa einen Umzug der Therme vom Dachstuhl in den Keller. Nun zeigt das BalkonNetz- Projekt, dass es auch anders geht. Frau Gschwend ist positiv überrascht, „dass es so einfach geht“ und ganz ohne Umbau.

Es könnte so einfach sein…

Selbst die Installation der Solaranlage fand Frau Gschwend dank eines „super Aufbau-Workshops“ am KIT sehr anwenderfreundlich und „kinderleicht“. „In 15 Minuten war alles zusammengebaut“. Doch dann folgte ein kompliziertes und aufwändiges Anmeldungsverfahren bei den Stadtwerken und beim Marktstammregister. „Ein Haufen Papierkram“, erinnert sich Frau Gschwend, „das hat mich richtig geärgert.“ Schließlich weiß sie, dass es andernorts auch flotter geht. Ihre Tante in Holland konnte sich mit ihrer PV-Anlage völlig unproblematisch ans niederländische Stromnetz anschließen. Frau Gschwend musste dagegen erst warten, bis die Stadtwerke ihr einen neuen Zweirichtungszähler installierten.

Andere Projektteilnehmer haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Im Projektforum finden sich zum „Papierkram“ mehrere Fragen und Antworten. „Der Antrag war sehr aufwendig, da muss man irgendwie durch,“ berichtet auch Herr Hauth. Die Energieerzeuger seien „nicht die Fixesten“ – sie behielten sich bis zu sieben Wochen Beantragungszeit vor und spielten insgesamt „noch nicht so mit, wie sie sollten.“ Schließlich müsse das Netz ja ausgelastet sein und Strom verkauft werden. Dabei seien die Stadtwerke Karlsruhe noch recht kooperativ. Andere Energieanbieter hätten Projektteilnehmern mit rechtlichen Schritten gedroht, falls sie vorhätten Solarstrom ins Netz einzuspeisen. Die Stadtwerke bestehen lediglich auf einen Zähleraustausch in den BalkonNetz Haushalten, auch wenn die Projektbeteiligten ihren Solarstrom gar nicht gegen finanzielle Vergütung ins Stromnetz einspeisen werden. Der Zweirichtungszähler werde kostenlos installiert, koste aber eine geringe Jahresmiete. „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“ (Franz Alt), die Energieversorger schon.

„Madame Soleil“ macht sich gut

Inzwischen sind die bürokratischen Hürden überwunden und die Module speisen über die Steckdose munter Strom ins Haushaltsnetz ein. Die Module produzieren sogar Strom, wenn die Sonne nicht scheint, das zeigen die grün blinkenden LEDs an der PV Anlage.

Solarmodul „Madam Soleil“ der Familie Hauth in ihrem Garten.

„Wir haben unser Solarmodul ‚Madame Soleil‘ getauft,“ erzählt Herr Hauth. Inzwischen hätten sich auch die Vögel, die sich in seinem Naturgarten tummeln, an die „Madame“ gewöhnt. Nach anfänglichem Zögern, kämen „die Spatzen jetzt wieder massenhaft angeflogen.“

Der Alltag in den beiden Vierpersonenhaushalten hat sich mit der Installation der PV-Anlagen wenig geändert. Wenn Familie Hauth die Einspeisung der Sommermonate hochrechnet, sparen sie etwa zehn Euro Stromkosten monatlich. Die Frage, ob sie ihre Waschmaschinen jetzt nur noch anschalten würden, wenn die Sonne scheint, verneinen beide Interviewten: „Das können Sie bei 300 Watt nicht machen. Ich verhalte mich gar nicht anders,“ so Herr Hauth. Frau Gschwend winkt nur ab: „Ein Mini-Solarmodul für vier Personen ist ja ein Witz.“ Da komme man mit Sonnenenergie beim Waschen nicht weit. Für sie stünde im Vordergrund, das „einfach mal ausprobieren und zu sensibilisieren,“ so Frau Gschwend. „Ich denke, dass wir an exponierter Stelle wohnen und, dass die Nachbarn das auch mitkriegen.“

Über die Balkonbrüstung und die Nachbarschaft hinaus?

Tatsächlich wecken die Solarmodule Neugier und Interesse. Frau Gschwend hat bereits ihren Nachbarn vom Projekt und dem Panel an ihrer Balkonbrüstung berichtet. Herr Hauth hat die Fragen interessierter Kollegen beantwortet. Am meisten interessiert dabei die Frage: Wie viel Stromkosten lassen sich sparen? Frau Gschwend hat hierauf keine präzise Antwort, aber eine klare Meinung: „Es kostet nicht die Welt, alle können dazulernen.“ Herr Hauth kann sich vorstellen, „Madame Soleil“ durch eine eigene Anlage zu ersetzen, falls die PV-Module aus Forschungsgeldern nach der Projektlaufzeit zurückgegeben werden müssten.

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